Filtersache

von Hinnerk Weiler am 07.09.2012 / in Technik, Ausrüstung, Praxis
CAV-Diselfilter mit geplatzter Scheibe

Vermutlich hatte sich der Filter in der Nut verkantet und beim Festschrauben dann punktuell an einer schwachen Stelle auf das Glas gedrückt

Eigentlich sollte die Sache ja schnell gehen. Tanken und noch den Dieselfilter wechseln. Sowas mache ich in aller Regel immer lieber, wenn ich irgendwo an einem Tanksteg liege, als irgendwo vor Anker. Sollte doch mal was schief gehen, sitzt man sonst leicht in der Patsche, kommt nicht von Bord und das Boot nirgendwo hin.

Ein halbes Jahr sollte in zivilisierten Gegenden mit guter Spritqualität ja eigentlich kein Alter für einen Dieselfilter sein, aber Paulinchen war seit Mai recht viel durch die windarmen Greta Lakes motort und nun lagen noch einmal über tausend Meilen Fluss vor uns. Zudem hatte ich in den letzten Tagen etwas den Eindruck bekommen, dass „Vollgas“ früher irgendwie mehr Dampf hatte. In Zahlen maß sich das so: Richtig offen, ging die Drehzahl unter Last auf knapp unter 3000 Umdrehungen und stieg dann nach einer Weile langsam noch mal etwas an. Das sind nur knapp über 80 Prozent der maximal erlaubten Drehzahl laut Handbuch. Filterwechsel ist bei so einem Symptom immer das erste Mittel der Wahl.

Ein recht verbreitetes, weil preiswertes, Filtersystem sind CAV-Filter. Meiner ist zudem ein bisschen antik, mit großem Wasserabscheider, noch aus echtem Glas, wo heute meist Kunstsoff eingesetzt wird. Die Kehrseite dieser Filter: Zumindest auf dieser Hälfte des Globus scheint sich der „Marine Supply“ etwas schwer mit dem Beschaffen passender Filterkartuschen zu tun. Mich stört das nicht, denn wer das weis, geht ohnehin für diese Dinge lieber gegenüber in eine Autowerkstatt. – Dort sind die Kartuschen kein Yachtzubehör und kosten meist etwa ein Viertel des Boots-Preises . Außerdem sind sie oft gleich am Lager.

Der Akt des Wechselns dauert normalerweise keine halbe Stunde. Ein Absperrhahn vor dem Motor verhindert, dass man anschließend den ganzen Motor entlüften muss und einzig das Ablassen des Diesels aus dem Filtergehäuse ist zuweilen mit einigen Tropfen in Richtung Motorbilge verbunden. Und das auch nur, weil es im Motorraum von Paulinchen eben doch etwas unbequem eng ist. Und in der Bilge wartet schon das Katzenstreu.

Komplizierter als das Demontieren ist, wie oft, das Zusammenbauen. Dabei müssen der Filter mit einer Gummidichtung auf das Glas und beides auf die Bodenplatte gesetzt werden. Im engen Motorraum ist es dann ein kleiner Balanceakt, alles so unter den Filter zu schrauben, dass nichts verrutscht. Und ich bin verdammt froh, dass ich das noch nie auf hoher See in zwei Meter Wellen versuchen musste.

Dean, und Hinnerk vor Paulinchen.

Retter in der Not. Dean hatte ich auf einem Vortrag über meinen Törn im North Channel kennengelernt. Er hat kurzerhand seinen kompletten Sonnabend auf den Kopf gestellt und mit mir etliche „It’s just a few miles“ Stunden im Auto kreuz und quer durch Chicago verbracht

Diese Angst ist nun vorbei. Denn irgendwie hat sich der Filter offenbar doch verschoben und beim anschließenden Festschrauben ist er in der Nut des Schauglases vermutlich verkantet. Nach zwei oder drei Drehungen der Halteschraube jedenfalls machte es „Knack“. – Glas gesprungen und der Tag eigentlich gelaufen.

Mein Klabautermann hat mal wieder, und zum perfekten Zeitpunkt eine Gelegenheit gefunden, Paulinchen aufs Trockene zu legen: Sonnabendmorgen acht Uhr am langen „Labor Day“ Wochenende. Dem einzigen Feiertag, der hier dem vierten Juli das Wasser reichen kann und an dem Nordamerika anders als beispielsweise Weihnachten, kontinentweit geschlossen ist.

Aber mit Hilfe von Dean (wieder ein Beweis dafür, dass sich das Little Current Cruisers Funk-Netz auch weit abseits des North Channel als hilfreich erweist), gelingt es dann tatsächlich doch ein neues Filtergehäuse aufzutreiben. Und mit Hilfe des Midway Truck Service lässt sich dieses dann auch noch passend für Paulinchens Spritleitungen umbauen.

Nach sechs Stunden suchen und basteln ist das Wunder vollbracht: Paulinchen hat einen nagelneuen, seit zehn Jahren im Keller eines Freundes herumliegenden, Racor Bootsdieselfilter. Welch technische Innovation – Der Wasserabscheider ist etwa ein zehntel so groß und die Ersatzkartuschen dafür kosten im Bootsfachhandel 25 Dollar statt der 4,50 Dollar für die CAV-Filter aus dem KFZ-Zubehör.

Mit anderen Worten: Eine gute Zwischenlösung, um erst einmal in den Flüssen voran zu kommen, aber sobald ich den nächsten Farm-Truck-Service oder ein passendes Schauglas finde, wird der neue Filter zum ersten Bauteil einer Doppelfilteranlage.

Ach ja, und dass der Filter überhaupt gewechselt werden musste, steht wohl außer Frage. Ich habe danach jedenfalls erst mal den Anteil an Dieselbiozid drastisch erhöht und hoffe mal, dass sich der „Schmodder“ im Tank über den Winter gebildet hatte. Denn eigentlich kann man acht Mal Volltanken in vier Monaten auf einem Segelboot schon fast als Tank spülen bezeichnen. Zumindest aber sollte ich wohl besser ein Auge auf den Filter behalten.

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