Hansestadt Bergen – Ein Besuch im Bryggen

von Hinnerk Weiler am 29.05.2015 / in Norwegen

Ob denn weiter nördlich das Wetter besser werden würde, frage ich Timo, der mich am Hafen in Bergen von der Fähre abholt. Irgendwo hinter Stavanger entlang Norwegens Küste fing es zu regnen an. Seit dem hat sich die Landschaft in ein grautrübes Märchen verwandelt.

Typisches Bergenbild: Schwere Regenwolken und ein Kreuzfahrtschiff im Hafen

Typisches Bergenbild: Schwere Regenwolken und ein Kreuzfahrtschiff im Hafen

Timo, winkt ab: „Keine Sorge, egal wohin du von Bergen aus fährst, es wird dort weniger regnen“.

Historischer Stadtkern

Auf dem Weg vom Fähranleger zu seiner Wohnung, gehen wir durch Bryggen, Bergens historischen Stadtkern aus der Zeit der Hanse.

Enge Gassen und lebendige Geschichte

Enge Gassen und lebendige Geschichte

Oft wenn ich an solch historischen Orten bin, muss ich eine Minute innehalten. Ich stehe dann einfach nur so da und die Gedanken gehen auf Wanderschaft: Die bewundernd angepriesene liebevolle Restauration dieser Orte verblasst für ein viel besseres Bild: In dem tragen schwere Stiefel den Matsch der umliegenden Wälder und Berge auf die heute blank polierten Bohlen zwischen den Kaufmannshäusern. Über den Stiefeln hängen von einem Gurt die Pelze des Jägers herab. Alle paar Wochen kommt der aus seiner Walthütte hier an den Fjord und seine Fänge zu verkaufen und sich etwas gutes vom Erlös mit nach Hause zu nehmen.

20150522-174403-lofoten2015-Der ganze Ort füllt sich um ihn herum mit meiner Geschichte von Bergen. Mit Kaufleuten, mit Mägden, mit Festen. Davor liegen zwei oder drei Hansekoggen an der groben Kaimauer und werden mit mit Holz, in Salz eingelegtem Fisch und Rentierfleisch beladen.

Pelzhändler gibt es auch heute noch in Bergen

Pelzhändler gibt es auch heute noch in Bergen

Nur der Regen stimmt in meiner Geschichte mit dem heutigen Bild von Bergen noch überein. Der Golfstrom bringt warme und feuchte Luft direkt aus der Karibik hier her. Sie trifft auf die hohen Berge der Küste und kühlt sich, während er an ihnen aufsteigt. Das ist überhaupt der Grund, warum Bergen damals zu einer wichtigen Stadt im Norden wurde. Ohne den Golfstrom währe das Klima hier bei weitem nicht so mild. Im Gegenteil: Wie unwirtlich das Wetter wäre, zeigt ein Blick nach links oder rechts auf der Weltkarte. Wir stehen auf dem 62. Breitengrad Nord. Teile Alaskas, Grönlands und Sibirerens liegen südlich von hier.

Bergens historischer Stadtkern lockt heute weniger die Kaufleute der weltlichen Welt aber dafür Kreutzfahrtschiffe. Der Bryggen ist Weltkulturerbe und fast täglich schiebt sich eines der großen Schiffe durch den Fjord vor die Stadt. Dem ständig diesigen Wetter trotzdend, steigt dann Bergens Bevölkerung sprunghaft um fotografierende Asiaten und Amerikaner an.

20150522-172028-lofoten2015-Ob diese Schiffe nun Fluch oder Segen für die Einheimischen und die Wirtschaft Norwegens sind, haben die Bewohner der alten Hansestadt für sich noch nicht abschließend beantwortet. Viel, so erfahre ich, halten die meisten allerdings nicht davon und befürworten eine strengere Limitierung der Kreuzfahrer. Zumal offenbar weniger in den Kassen der Restaurant- und Geschäftsbesitzer landet, als man sich ursprünglich erhoffte. – Spätestens angesichts der Preise norwegischer Restaurants besinnen sich die meisten Touristen dann doch auf das all inklusive Restaurant an Bord.

Mit denen schlendere ich unerkannt als Einer von Vielen durch die Stadt.

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